7. Juni 2017

Liposuktion Kostenübernahme: Bezahlt die Krankenkasse eine Fettabsaugung?

Preisliste für OP-Termine

Viele Menschen, die unter ihrer Figur leiden, möchten gerne die Problemzonen durch eine operative Korrektur schnell loswerden. In nicht wenigen Fällen handelt es sich dabei um Frauen. Männer suchen oft einen plastischen Chirurgen dann auf, wenn bei ihnen eine Gynäkomastie, der sogenannte Männerbusen, vorliegt. Welcher Arzt und welche Klinik die operative Fettentfernung vornehmen, hängt vor allem von den Bedürfnissen sowie den eigenen Vorstellungen der Patienten ab. Ein geeigneter Schönheitschirurg lässt sich auch durch eine Arztsuche über die entsprechende Landesärztekammer finden. Eine gute Fettabsaugungs-Klinik informiert Behandlungswillige bei der Erstuntersuchung ausführlich über die Chancen und Risiken der Liposuktion. Für stark Übergewichtige sind Fettabsaugungen eigentlich nicht geeignet, hier sollten andere Therapiemaßnahmen erfolgen.

Anhand einer Laboruntersuchung können Internisten bestimmen, ob bei dem Patienten eine chronische Darmstörung, Stoffwechselstörungen oder Leberfunktionsstörungen bestehen. Liegen Vorerkrankungen wie zum Beispiel Hashimoto Thyreoiditis, Lipomatose (Lipomatosis), Elephantiasis oder ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCO Syndrom) vor, entscheiden Spezialisten in der Fachklinik, unter welchen präoperativen Bedingungen der chirurgische Eingriff durchgeführt werden kann. Das Gleiche gilt für einen Gendefekt wie das Faktor V Leiden, das einen höheren Risikofaktor für Thrombosen darstellt.

Die Arztkosten für die minimalinvasive Entfernung von Fettgewebe liegen bei etwa 2.000 € bis 4.000 Euro pro OP-Sitzung. Häufig sind sich Patienten unsicher, ob das Fettabsaugen als Kassenleistung gilt.

Zahlen Krankenkassen für die Ästhetisch Plastische Chirurgie?

Die private Krankenversicherung (PKV), die Beihilfe, die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die österreichische Gebietskrankenkasse (GKK) übernehmen Behandlungskosten im besten Fall nur dann, wenn eine medizinische Indikation vorliegt. Die Schönheitschirurgie zählt in der Regel nicht dazu. Für die ambulante oder stationäre Fettabsaugung ergibt sich deshalb die Frage:

Wann ist eine medizinisch notwendig?

Bei der Lipödembehandlung (auch mit einem zusätzlichen sekundären Lymphödem) dürften die besten Chancen bestehen, eine Erstattung aus medizinischen Gründen zu erreichen. In Deutschland ist der gemeinsame Bundesausschuss (GB-A) vom Gesetzgeber beauftragt, darüber zu befinden, welche Therapien in den Leistungskatalog gesetzlicher Krankenkassen aufzunehmen sind. Nach einer gescheiterten Petition wurde im Jahre 2014 auf Antrag der Patientenvertretung ein Beratungsverfahren des GB-A eingeleitet mit dem Ziel, Risiken und Nutzen der Liposuktion bei Lipödem zu prüfen. Nach unserem Wissen steht die Entscheidung in diesem Verfahren allerdings bis heute noch aus. Der Bundesgerichtshof hat sich ebenfalls noch nicht in dieser Sache geäußert.

Kostenübernahme bei Liposuktion: Bezahlt die Krankenkasse eine Fettabsaugung?

Die Ursachen von Lipödemen sind bisher nicht hinreichend erforscht worden. Vermutlich liegen Veränderungen im Hormonhaushalt sowie erbliche Faktoren vor, die von veränderten Genen abhängen. Eine hormonbedingte Fettgewebserkrankung stellt normal nicht nur ein kosmetisches Problem dar. Häufig ist die Krankheit für die Erkrankten mit psychischem Stress oder sogar Mobbing verbunden, worunter ihr Selbstwertgefühl massiv leiden kann. Kollegen oder Bekannte verstehen oft nicht, dass Hormonstörungen diagnostiziert wurden und das Übergewicht nicht ernährungsbedingt aufgrund einer Essstörung aufgetreten ist. Wenn Betroffene gemobbt werden, kann sich daraus ein Zustand entwickeln, in dem sie depressiv und essgestört sind. Ein Psychiater stellt dann nicht selten die Diagnose depressive Verstimmung. Im Extremfall kommt es vielleicht dann auch zu einer Anerkennung der medizinischen Notwendigkeit von Liposuktionen und die Krankenkasse bezahlt die Rechnung der Schönheitsklinik.

Als Folgen der Körperfett-Verteilungsstörung können unter anderem Bewegungeinschränkungen, Beeinträchtigungen beim Treppensteigen, Rückenbeschwerden oder sogar ein Bandscheibenvorfall auftreten. Problematisch bei einer Fettfehlverteilung dürfte vor allem das innere Bauchfett sein, da es besonders viele Fettsäuren produziert, welche die Leber dann umbaut. Als Folge können Herz-Kreislauf-Beschwerden oder eine Diabeteserkrankung auftreten. Eine schwedische Studie aus dem Jahre 2011 zeigt, dass bei Patienten, die ihr übermäßiges Fett operativ entfernen lassen, sich dadurch die Blutfettwerte verbessern können. Durch eine Senkung des Blutfettspiegels wird möglicherweise das Risiko für einen Herzinfarkt vermindert. Die Cholesterinwerte hingegen sollen in der Studie durch das Fettabsaugen nicht beeinflusst worden sein. In anderen Untersuchungen zeigte sich angeblich eine deutliche Verbesserung der Laborwerte von Diabetespatienten mit Lipohypertrophie, wenn sie überschüssiges Fett durch eine vom Facharzt durchgeführte Operation dauerhaft entfernen ließen.

Welche Krankenkasse übernimmt für ihre Mitglieder Fettabsaugungen?

Einige Versicherte glauben, es gäbe auch Schönheitsoperationen gratis auf Rezept und meinen: Das wird von der übernommen, dafür bezahle ich doch Krankenkassenbeiträge. Für gesetzlich und Privatversicherte gelten unterschiedliche Leistungen. Bei Hartz 4 Empfängern stellt sich die Situation häufig noch anders dar. Gesetzliche Krankenversicherungen bezahlen ärztliche Behandlungen in der Regel nach dem EBM, dem einheitlichen Bewertungsmaßstab. Der stationäre Krankenhausaufenthalt nach Liposuktionen kann nach einem bestimmten System zwischen Kliniken und Krankenversicherungen abgerechnet werden. Dieses Vergütungssystem nennt sich diagnosebezogene Fallgruppen (DRG). Vor der chirurgischen Fettreduktion müssen Kassenpatienten die Übernahme der Behandlungskosten bei ihrer Versicherung beantragen. Die Antragsformulare gibt es auch im Internet als Download. Der Antrag auf Kostenerstattung sollte per Brief an die zuständige Krankenkasse geschickt werden. Der Krankenversicherte erklärt darin, warum er sein Fett weg operieren lassen möchte. Der Kostenübernahmeantrag muss eine medizinische Diagnose mit einem ICD Code enthalten. Ein guter plastischer Chirurg begründet ebenfalls schriftlich das Vorliegen einer medizinischen Indikation für die Lipektomie. Wird die medizinische Notwendigkeit festgestellt, kann die Kasse die Kosten für die Aspirationslipektomie in einer Einzelfallentscheidung übernehmen.

Die meisten Anträge werden vom Kostenträger beziehungsweise vom MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) vermutlich abgelehnt, da eine Fettabsaugung keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung darstellt, sondern zu den Neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB) gehört. Gegen die Ablehnung können Antragsteller in einem Schreiben Widerspruch einlegen. Gibt die Krankenkasse auch diesem Einspruch nicht statt, besteht die Möglichkeit einer Klage vor dem Sozialgericht. Gegen ablehnende Sozialgerichtsurteile ist eine Berufung beim Landessozialgericht (LSG) möglich. Unter bestimmten Auflagen kann der Kläger im Falle einer Ablehnung noch beim Bundessozialgericht (BSG) Revision einlegen. Für ausführliche Informationen darüber sollten sich Krankenversicherte an einen Rechtsanwalt wenden. Der Sozialverband VDK bietet ebenfalls seine Hilfe an.

Zahlt die private Krankenversicherung?

Bei Privatpatienten hängt die Kostenerstattung für die Absaugung von Fettdepots vom individuellen Versicherungsvertrag und der zuvor erteilten Genehmigung der Versicherung ab. Der Befundbericht des Operateurs sollte ebenfalls nicht fehlen. Gehören Liposuktionen nicht zu den vereinbarten Leistungen, welche die Krankenkasse zahlt, sollten Versicherte trotzdem nachfragen. Sind die monatlichen Beiträge relativ hoch, leistet die Privatversicherung unter Umständen aus Kulanz eine Zuzahlung.

Ab wann zahlt die Kasse eine Fettabsaugung?

Die Rechtsprechung zu diesem Thema erweist sich als sehr unterschiedlich. Die Kriterien dafür, ab wann die Krankenkasse eine zahlt, hängen im Normalfall weder vom Bodymass-Index noch von eventuell vorhandenen Drüsenstörungen ab. Die besten Chancen, in einem Gerichtsverfahren Recht zu bekommen, bestehen unserer Ansicht nach bei Lipödemen. Es gibt bereits einige aktuelle Urteile dazu. Zum Beispiel klagte eine 34-Jährige im Jahre 2012 vor dem SG Chemnitz auf Kostenübernahme der gesetzlichen Krankenversicherung. Aufgrund eines Lipödems hatte die Klägerin viel zu dicke Oberschenkel und wollte sich an dieser Körperzone das Fett absaugen lassen. Ein Sachverständiger erstellte ein Rechtsgutachten, dem sich die Kammer anschloss. Im Urteil Sozialgericht Chemnitz erhielt die Kassenpatientin Recht und hat den operativen Eingriff bezahlt bekommen. Ein weiteres Gerichtsurteil wurde im Jahre 2015 vom Sozialgericht Dresden gefällt. Die gesetzliche Krankenkasse eines 51-jährigen Mannes musste den stationären Aufenthalt bei einer medizinisch notwendigen Lipektomie im Krankenhaus tragen.

Wie sieht die steuerliche Behandlung für die Rechnung einer Privatklinik aus, in der Einkommenssteuerpflichtige ihre Problemzone machen lassen? In einem der Gerichtsurteile hat das Finanzgericht Baden-Württemberg im Jahre 2013 die Kosten für das Fettabsaugen bei Lipödem nicht als außergewöhnliche Belastung (gemäß § 33 Einkommensteuergesetz) akzeptiert. Der Richter erklärte, Liposuktionen seien nicht wissenschaftlich anerkannt. Die Behandlungskosten für eine Schönheits-OP dürfen nur dann als agB von der Steuer abgesetzt werden, wenn ein amtsärztliches Gutachten vorliegt. Darin müssen Beschwerdebild, Untersuchungsbefund, Arztdiagnose und die medizinischen Gründe für eine Lipektomie aufgeführt sein. Eine Kostenerstattung erfolgt bei einer ernährungsbedingten Fettleibigkeit normalerweise nicht.

Gute Krankenversicherungen sind zum Beispiel:

Barmer GEK Techniker Krankenkasse (TK) AOK SBK
KKH IKK Südwest Debeka BKK Mobil Oil
BKK vor Ort Big Direkt Audi BKK WGKK
Knappschaft TKK DAK
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